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Der Entfaltungsweg eines Adlers

Am Rande eines Waldes, entdeckt ein Bauer einen jungen Adler. Dieser ist zu früh aus seinem Nest herausgehüpft und flattert hilflos auf dem Boden hin und her. Weil der Bauer den Adler nicht verhungern lassen will, nimmt er ihn mit nach Hause. Auf seinem Bauernhof gibt es einen Hühnerstall, inmitten einer weitflächigen Wiese. Mit den Küken, den jungen und alten Hühnern, sagt sich der Bauer, wird der Adler schon auskommen und sich an sie gewöhnen.

Also setzt der Bauer den Adler ins Hühnergehege und beobachtet jeden Tag, wie sich das Verhalten des Vogels verändert und er sich an die Hühnergesellschaft anpasst. Schon bald bestätigt sich die Vermutung der Bauern. Der Adler beginnt sich wie ein Huhn zu verhalten, weil er auch vom Bauern wie ein Huhn behandelt wird. So wie die Hühner scharrt der Adler am Boden und pickt Körner auf. Auch vom Hahn lässt er sich beglücken wie die Hühner, nur ein Ei hat er noch keines gelegt.

Mit der Zeit ist der Adler kaum mehr von den Hühnern zu unterscheiden: alle um ihn herum, einschliesslich er selbst, scheinen vergessen zu haben, dass er eigentlich ein Adler ist.

Nach einigen Jahren bekommt der Bauer Besuch von seinem Freund, einem Vogelfachmann. Als die beiden im Garten spazieren gehen, wundert sich der Besucher: „Der da, dieser Vogel, ist doch kein Huhn! Dies ist ein Adler!“ „Mag schon sein“, erwidert der Bauer. „Ja, er war mal ein Adler, ich habe ihn gross gezogen, wie wenn er ein Huhn wäre. Nach all den Jahren ist er kein Adler mehr. Jetzt ist er ein Huhn geworden wie jede Henne sonst auch – selbst wenn er Flügel mit einer Spannweite von 3 Metern hat.“ „Nein“ sagt sein Freund: „er ist ein Adler und wird immer ein Adler bleiben. In ihm steckt das Herz eines Adlers, und dies wird ihn treiben, hoch in den Himmel zu fliegen.“

Also beschlossen die beiden Männer, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Der Vogelkenner nimmt also den Adler, hebt ihn hoch und redet auf ihn ein: „Weil du ein Adler bist, weil du dem Himmel gehörst und auf die Erde, öffne dein Flügel und fliege.“ Doch der Adler bleibt auf dem ausgestreckten Arm des Vogelfachmannes sitzen und schaut ein wenig verstört um sich. Als er die Hühner sieht, die scharrend Mais picken, springt er wieder zu ihnen zurück und scharrt weiter mit ihnen im Dreck.

Habe ich es dir nicht gesagt“ triumphiert der Bauer: „ Er ist schlicht und einfach ein Huhn geworden.“ „Dies kann unmöglich sein“ hält der Vogelfachmann dagegen. „Dein Huhn ist ein Adler und wird immer ein Adler bleiben.“

Am nächsten Tag steigt der Ornithologe mit dem Adler auf das Dach des Hauses. Flüsternd beschwört er ihn: „Adler, du wirst nie aufhören, ein Adler zu sein. Du bist für die Freiheit geboren und nicht für den Stall. Breite deine Flügel aus und fliege.“

Doch sobald der Adler unter sich die Hühner sieht, fliegt er zu ihnen auf die Erde. Der Bauer freut sich und fühlt sich bestätigt. „Habe ich dir nicht gesagt, das Vieh ist ein Huhn geworden und wird immer ein Huhn bleiben.“

Der Vogelfachmann lässt jedoch nicht locker. „Nein, nie und nimmer, dies ist ein Adler und wird immer ein Adler bleiben, in ihm schlägt das Herz eines Adlers. Lass es uns morgen nochmals versuchen. Morgen bringe ich ihn zu fliegen.“

Am nächsten Morgen stehen die beiden Männer in aller Frühe auf. Sie nehmen den Adler und gehen mit ihm aus der Stadt heraus, wenden sich den Gebirge zu und steigen auf den höchsten Gipfel. Am Horizont geht gerade die goldene Morgensonne auf. Da hebt der Ornithologe den Adler in die Höhe und befiehlt ihm: „Adler, wach auf aus deinem Schlaf und gib deiner wahren Natur die Freiheit. Öffne deine mächtigen Schwingen und fliege.“ Der Adler schaut um sich, er bebt am ganzen Körper, als ob neues Leben in ihn einströmen würde, aber fliegen – nichts davon.

Da hält der Mann den Adler und dreht seinen Kopf der Sonne entgegen. Die Augen des Adlers füllen sich mit dem Glanz der Sonne und mit der grenzenlosen Weite. In diesem Augenblick öffnet er seine mächtigen Flügel, stösst den Schrei eines Adlers aus und beginnt zu fliegen – in die unendliche Weite des Raumes – dem Himmel und der aufgehenden Sonne entgegen.

Der lange eingesperrte Adler hat seine wahre Natur wieder erkannt und seine Heimat, seine Freiheit, wieder gefunden. (Autor unbekannt)

Soweit zur Geschichte:

Wir sind nach dem Ebenbild Gottes erschaffen. Wir sind göttliche Wesen, dazu geboren, unsere wahre Kraft, unser göttliches Erbe, in Anspruch zu nehmen.

Lassen wir uns nicht weiter durch Glaubensmuster, Beschränkungen und Gedanken, angenommen durch Erziehung, Gesellschaft, Kultur, usw. verunsichern und einsperren. Nehmen wir die Herausforderung an und lassen unserem Geist Flügel wachsen. Erheben wir uns in die Freiheit und lassen unseren Adler fliegen, in den Himmel unserer Göttlichkeit.